# Corporate-Banking-Index von Bain / Kredite auf Rekordniveau, Margen nahe Zehnjahrestief 

- **Rubrik:** finance

München (ots) -

 Kreditvolumen im Firmenkundengeschäft wächst in Deutschland im 
ersten Halbjahr 2017 auf knapp 1,1 Billionen Euro

 - Sparkassen und Genossenschaftsbanken gewinnen, Landesbanken 
 verlieren
 - Kreditmarge sinkt mit 1,3 Prozent auf Wert nahe Zehnjahrestief
 - Erträge und Gewinne gehen im Vergleich zum Vorjahr insgesamt 
 leicht zurück
 - Eigenkapitalrentabilität halbiert sich binnen fünf Jahren auf 12
 Prozent

 Die Konjunktur brummt, die Unternehmen investieren, doch das 
Firmenkundengeschäft der Banken stagniert. Der 
Bain-Corporate-Banking-Index geht in den beiden Dimensionen Ertrag 
und Profitabilität im Vergleich zum Vorjahr sogar leicht zurück (Abb.
1). Insbesondere die hohe Wettbewerbsintensität in einem historisch 
niedrigen Zinsumfeld verhindert, dass die Banken von der wachsenden 
Kreditnachfrage der Unternehmen profitieren. Mit fast 1,1 Billionen 
Euro erreichte das Kreditvolumen im ersten Halbjahr 2017 einen neuen 
Rekord. Speziell die Sparkassen und Genossenschaftsbanken konnten ihr
Geschäft in den letzten fünf Jahren ausbauen, die Landesbanken 
dagegen haben Marktanteile verloren. Doch die Kreditmarge leidet 
unter der harten Konkurrenz und den zum Teil sehr ambitionierten 
Expansionsplänen internationaler Großbanken im deutschen Markt. Die 
Folge: Mit 1,3 Prozent bewegt sich die Marge inzwischen wieder auf 
dem Niveau des Krisenjahres 2008 (Abb. 2). Gleichzeitig ist der 
Anteil des geringmargigen Neugeschäfts am Kreditbestand deutlich 
gestiegen.

 "Der Zinsüberschuss, die Haupteinnahmequelle im Corporate-Banking,
sinkt", stellt Bain-Partner Dr. Christian Graf fest. Allerdings gibt 
es Unterschiede zwischen den Instituten. "Einigen gelingt es 
gegenzusteuern", so der Bankenexperte weiter. "Sie konzentrieren sich
auf profitable Kundengruppen und steigern das Cross-Selling. Auf 
breiter Front sind solche Erfolge im Provisionsgeschäft aber noch die
Ausnahme."

 Kreditrisikovorsorge weit unter den historischen 
Durchschnittswerten

 In dieser Situation bleibt den Kreditinstituten keine andere Wahl,
als auch im Corporate-Banking den Rotstift anzusetzen. Schon heute 
entfalten die branchenweiten Sparprogramme ihre Wirkung, der 
Verwaltungsaufwand stabilisiert sich. Eine weiter verschärfte 
Regulierung könnte allerdings neue Belastungen auslösen. Auch an 
anderer Stelle droht den Banken Ungemach. Denn angesichts der guten 
Konjunktur liegt ihre Kreditrisikovorsorge derzeit unter dem 
historischen Durchschnittswert. Im Vergleich zum Vorjahr sank diese 
im ersten Halbjahr 2017 noch einmal deutlich. "Es ist nur eine Frage 
der Zeit, bis der Kreditzyklus umschlägt", ist Graf überzeugt. "Eine 
höhere Kreditrisikovorsorge wird dann die angespannte Ertragslage 
zusätzlich belasten."

 Rückzug aus ganzen Branchen, Regionen und Produktgruppen

 Weitere Sparanstrengungen sind deshalb unumgänglich. Zumal die 
Eigenkapitalrentabilität vor Steuern (RoE) unaufhörlich bröckelt. 
Seit 2012 sinkt diese entscheidende Kennzahl deutlich und liegt 
nunmehr bei 12 Prozent. Damit verdienen die Banken im 
Firmenkundengeschäft zwar nach wie vor ihre Kapitalkosten. Doch von 
den früher gewohnten Renditen von 20 Prozent sind sie weit entfernt. 
"Wenn die Banken den Margenverfall nicht stoppen, drohen ihnen auch 
im Corporate-Banking schon bald einstellige Renditen", warnt 
Bain-Partner Dr. Jan-Alexander Huber.

 Vor diesem Hintergrund ist ein unverändert entschlossenes Handeln 
geboten. Viele Banken sind auf dem richtigen Weg, indem sie Kosten 
straffen und Kunden selektieren. Noch fällt der Rückzug aus ganzen 
Branchen, Regionen oder Produktgruppen oft schwer. Doch die 
Fokussierung lohnt sich. "Das Corporate-Banking kann eines der 
attraktivsten Betätigungsfelder bleiben", so Huber. "Vorausgesetzt, 
die Banken stellen jetzt die richtigen Weichen."

 Der Bain-Corporate-Banking-Index auf einen Blick

 Der halbjährlich erhobene Bain-Corporate-Banking-Index basiert auf
veröffentlichten Daten führender deutscher Banken. Das Panel deckt 
rund die Hälfte der Bilanzsumme der 100 größten in Deutschland 
tätigen Banken ab und konzentriert sich auf Finanzinstitute mit einem
Schwerpunkt im Corporate-Banking und einer entsprechenden 
Segmentberichterstattung. Bei der erstmaligen Erstellung erfasste 
Bain für die Jahre 2007 bis 2012 zahlreiche Rohdaten jeder einzelnen 
Bank, darunter die Erträge (Zins- und Provisionsüberschuss), die 
Kostenstruktur (Verwaltungsaufwand), die Kreditrisikovorsorge, die 
Profitabilität (Ergebnis vor Steuern), das Eigenkapital und das 
Kreditvolumen. Die Wahl des Ausgangsjahrs 2007 ermöglicht Vergleiche 
zwischen dem letzten Jahr vor Ausbruch der globalen Finanzkrise und 
der aktuellen Situation.

 Sämtliche Rohdaten untersuchen die Bain-Experten auf 
Einmaleffekte, die sich beispielsweise aus Übernahmen oder Änderungen
im Reporting ergeben, und bereinigen die Datenreihen entsprechend. 
Danach erfolgt eine Aggregation der Daten pro Bank, bevor sie mit 
einem Gewicht von maximal 20 Prozent in den Gesamtindex einfließen. 
Diese Limitierung des Einflusses einzelner Banken stellt sicher, dass
Sonderentwicklungen großer Finanzinstitute nicht den Index im 
Zeitverlauf verzerren. Vor Veröffentlichung werden die Daten 
Robustheitschecks anhand vorhandener Studien und weitergehenden 
Analysen von Bain unterzogen und zum Teil um weitere Datenpunkte 
ergänzt.

 Bain veröffentlicht den Corporate-Banking-Index in zwei 
Ausprägungen: den Bain-Corporate-Banking-Ertragsindex (CBE) und den 
Bain-Corporate-Banking-Profitabilitätsindex (CBP). Beide geben im 
Zeitverlauf einen hervorragenden Überblick über die 
Geschäftsentwicklung im Corporate-Banking und lassen sich als 
Benchmark für jedes einzelne Finanzinstitut nutzen.

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Quelle: https://madeingermany.shop/de/news/corporate-banking-index-von-bain-kredite-auf-rekordniveau-margen-nahe
