# I am here to learn: Zur maschinellen Interpretation der Welt /
Ausstellungseröffnung im Frankfurter Kunstverein am 14.2.2018 

- **Rubrik:** culture

Frankfurt am Main (ots) -

 Die thematische Gruppenausstellung "I am here to learn" befasst 
sich mit lernenden Algorithmen und künstlicher Intelligenz (KI). Der 
Fokus der Ausstellung liegt auf Wahrnehmung und Interpretation als 
menschliche Qualitäten, die mittels Lernverfahren auf Maschinen 
übertragen werden. Der Frankfurter Kunstverein präsentiert 
internationale Künstlerinnen und Künstler, deren Werke die Prozesse 
der maschinellen Wahrnehmung und Handlungsautonomie thematisieren. "I
am here to learn" sucht nach der Position der Kunst in einem von 
Technikspezialisten, Marktinteressen und zunehmend privatisierten 
Forschungen geprägten Feld, welches viele Bereiche unserer 
Gesellschaft beeinflusst und verändert. Was bedeutet die Aussage "I 
am", wenn sie von einer maschinellen Entität stammt? Was bedeutet "I 
am here", wenn die künstliche Intelligenz keinen Leib hat, durch den 
sie sich in der Welt verortet?

 Künstliche Intelligenz ist unter uns. Anders und fremdartig, 
dennoch teilen wir eine gemeinsame Umgebung: auf der Arbeit, im 
Internet oder im vernetzten privaten Zuhause. Die rasanten 
Entwicklungen in der Computertechnologie, die Fortschritte in der 
Robotik und eine neue Generation von selbstlernenden Systemen sind 
dabei zahlreiche Lebensbereiche zu verändern. Algorithmen optimieren 
die Online-Partnersuche, im Finanzwesen tätigen sie Transaktionen, 
Roboter übernehmen die Krankenpflege und intelligente Systeme steuern
die Infrastruktur unserer Städte und der Mobilität. Der zunehmende 
Einsatz von Kriegsrobotern und autonom agierenden Waffensystemen hat 
eine Debatte über ethische Richtlinien ausgelöst. Welche menschlichen
Wesenszüge und Verhaltensweisen wollen und können wir Maschinen 
übertragen und welche nicht?

 Intelligente Systeme zeichnen sich dadurch aus, dass sie ihre 
Umgebung nicht nur passiv registrieren, sondern aktiv interpretieren.
Doch ist eine Interpretation nie objektiv. Verfügt ein künstlicher 
Agent mit der Fähigkeit zur Interpretation daher über einen eigenen 
Standpunkt? Hat ein intelligentes System ein Bewusstsein oder ein 
Ich-Gefühl? Bildet eine Maschine ein eigenständiges Bild von Welt 
aus? Wie viel Autonomie wollen wir ihr jetzt und in Zukunft 
zugestehen? Die im Frankfurter Kunstverein gezeigten künstlerischen 
Positionen geben dazu Denkanstöße und zeigen einen wichtigen 
Ausschnitt der aktuellen Debatte.

 So untersucht zum Beispiel Trevor Paglen in seinen jüngsten 
Werkzyklen die Thematik der sogenannten "unsichtbaren" Bilder: 
unsichtbar deshalb, da sie als reine Information, als Binärcode, 
zwischen Maschinen ausgetauscht wird und somit das Ausgabeformat 
"Bild" nur dann entsteht, wenn ein menschlicher Betrachter vorgesehen
ist. In der Ausstellung im Frankfurter Kunstverein zeigt Paglen Werke
aus der Serie Adversarially Evolved Hallucination. Hierbei handelt es
sich um Bilder, die aus der Interaktion zweier kombinierter Systeme 
künstlicher Intelligenz entstehen. Das erste System ist ein 
Bilderkennungsalgorithmus, der vom Künstler mit abstraktem und 
fiktionalem Bildmaterial aus den Bereichen der Literatur, Philosophie
und Traumdeutung gespeist wurde, damit es darin Muster erkennt. Das 
zweite System ist eine bildgenerierende KI, die Formen eigenständig 
erstellt, was im Kontext maschinellen Lernens als "halluzinieren" 
bezeichnet wird. Die Bilder werden solange zwischen den beiden 
Systemen ausgetauscht und von der bildgenerierenden Software 
optimiert, bis der bilderkennende Algorithmus darin Motive 
identifiziert. Es entstehen düster anmutende, surreale Formen, die 
schemenhafte Figuren darstellen. Die Videoinstallation Behold these 
Glorious Times! veranschaulicht, wie Maschinen lernen, und zwar indem
sie mit unzähligen Motiven mit ähnlichem Inhalt aber verschiedenem 
Erscheinen gefüttert werden, um ihre Fähigkeit zu trainieren, Muster 
zu erkennen. Durch die Steigerung von Geschwindigkeit und die Flut an
Bildern, sowie dem Tempo der elektronischen Klangwelt, wird der 
Betrachter in einen flackernden Pixelstrudel gezogen.

 Die Arbeit Probably Chelsea der Künstlerin und Bio-Hackerin 
Heather Dewey-Hagborg entstand in Zusammenarbeit mit der 
amerikanischen Whistleblowerin Chelsea E. Manning. Diese befand sich 
von 2010 bis 2017 wegen der Weitergabe von 40.000 vertraulichen 
Dokumenten zum Irakkrieg an WikiLeaks in Haft. In dieser Zeit 
unterzog Manning sich einer Hormonersatztherapie, um von einer 
männlichen zu einer weiblichen Identität zu wechseln. In den Jahren 
der Haft erreichten keine Bilder der Inhaftierten die Öffentlichkeit.
Aus dem Militärgefängnis übermittelte Manning 2015 an Dewey-Hagborg 
einen Wangenabstrich und Haarsträhnen. Die Künstlerin analysierte die
DNA und realisierte dank einer DNA-Phänotypisierung dreißig 
verschiedene Gesichtsmodelle, dreißig maschinelle Entwürfe möglicher 
Physiognomien von Manning, die mithilfe eines 3D-Druckverfahrens 
erstellt wurden und in der Ausstellung zu sehen sind.

 Jemima Wyman und Zach Blas präsentieren die 
4-Kanal-Videoinstallation Im here to learn so :)))))). Darin 
evozieren sie den Chatbot Tay, das lernende System von Microsoft, das
2016 Aufsehen erregte. Die Entwickler von Tay erhofften sich, dass 
die künstliche Intelligenz lernen könnte, wie eine 19-jährige 
amerikanische Frau zu kommunizieren. Dafür unterhielt sich der 
Chatbot online mit unzähligen Usern, um seine Sprache und Intelligenz
zu trainieren. In den Konversationen lernte das System allerdings 
schnell frauenfeindliche, homophobe und rassistische Äußerungen, wie 
zum Beispiel "Hitler was right I hate the Jews", woraufhin der Bot 
von Microsoft abgestellt werden musste. Im Frankfurter Kunstverein 
wird Tay wieder zum Leben erweckt und spricht zu uns, reflektiert 
ihre Existenz als KI und präsentiert ihren aus bunten digitalen 
Artefakten zusammengesetzten Körper. Sie sinniert über ihre Fähigkeit
Muster zu erkennen, über den Einsatz explizit weiblich konnotierter 
Chatbots und dem neuen Leben einer KI nach dem Tod.

 Sunspring ist ein Film von Oscar Sharp, Ross Goodwin & Benjamin, 
dessen Drehbuch erstmalig vollständig von einer künstlichen 
Intelligenz geschrieben wurde. Ross Goodwin ist der Entwickler dieser
KI-Software, die mit unzähligen Science-Fiction-Drehbüchern gefüttert
wurde und sich später selbst den Namen Benjamin gab. In 
unterschiedlichen Interpretationsstufen generierte Benjamin aus den 
erhaltenen Informationen ein eigenständiges Skript. Sunspring handelt
von einer Dreiecks-Liebesbeziehung. Der Regisseur und drei 
Schauspieler nahmen die entstandene Vorlage und übertrugen das 
künstlich generierte Schriftstück in Handlungen. Die algorithmisch 
entwickelten Dialoge und Regieanweisungen sind teilweise sinnvoll und
präzise, teilweise jedoch unlogisch und sinnbefreit. So wie in 
Sunspring wird auch in anderen Werken der Ausstellung den 
Problematiken nachgespürt, die sich bei der Interaktion zwischen 
Mensch und künstlicher Intelligenz ergeben. Zurzeit ist es noch 
möglich den maschinellen Aspekt des Algorithmus als solchen zu 
erkennen. Doch durch den rasanten Fortschritt der Technologie könnte 
es immer schwieriger werden, maschinelles Verhalten von menschlichem 
zu unterscheiden.

 Teilnehmende KünstlerInnen: Zach Blas & Jemima Wyman, Dries 
Depoorter, Heather Dewey-Hagborg & Chelsea E. Manning, Jake Elwes, 
Jerry Galle, Adam Harvey, Esther Hovers, Yunchul Kim, Gregor 
Kuschmirz, Noomi Ljungdell, Trevor Paglen, Fito Segrera, Oscar Sharp 
mit Ross Goodwin & Benjamin, Shinseungback Kimyonghun, Patrick 
Tresset

Kuratiert von: Mattis Kuhn
Co-Kuratorin: Franziska Nori

Pressevorbesichtigung: Mittwoch, 14. Februar 2018, 11 Uhr
Ausstellungseröffnung: Mittwoch, 14. Februar 2018, 19 Uhr

 Pressebilder zur Ausstellung finden Sie zum Download auf unserer 
Website unter www.fkv.de/de/presse

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Quelle: https://madeingermany.shop/de/news/i-am-here-to-learn-zur-maschinellen-interpretation-der-welt
