# Justiz vor dem Kollaps? "ZDFzoom" über verspätete Verfahren und mehr 

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Mainz (ots) -

 Täglich entscheiden Richter "Im Namen des Volkes". Doch zwischen 
Rechtsprechung und Gerechtigkeitsempfinden liegen oft Welten. Viele 
Urteile seien zu milde, findet jeder zweite Deutsche. Oft müssen 
Verdächtige aus der Untersuchungshaft entlassen werden, weil Prozesse
nicht rechtzeitig stattfinden. Viele beklagen zudem, dass zu viel 
Rücksicht auf die Täter, aber zu wenig auf die Opfer genommen werde. 
Am Mittwoch, 17. Juli 2019, 22.45 Uhr, fragt "ZDFzoom: Im Namen des 
Volkes - Justiz vor dem Kollaps?".

 Experten warnen davor, dass das Vertrauen in den Rechtsstaat 
weiter schwindet, wenn Verfahren zu lange dauern und bestehende 
Gesetze nicht konsequent angewendet werden. Bei einer Umfrage 2018 
antworteten 44,9 Prozent, dass ihr Vertrauen in die Justiz gering 
sei.

 "ZDFzoom"-Autorin Rita Knobel-Ulrich zeigt anhand von Straffällen,
wie es um die Justiz bestellt ist. Sie spricht mit Staatsanwälten, 
Richtern, Verteidigern und mit Opfern. Sie trifft die Mutter eines 
Mädchens, das als Sechsjährige in einer Kleingartenkolonie in 
Bremerhaven sexuell missbraucht wurde. Der Täter: ein 65-jähriger 
Deutscher. Vier Jahre dauerte es, bis es zur Anklage kommt. Der 
Grund: Überlastung des Gerichts. Für das Kind ein Martyrium. Der Mann
muss - wegen der langen Zeit bis zur Prozesseröffnung - nicht in 
Untersuchungshaft und vergeht sich an einem weiteren Kind. Der Weiße 
Ring betreut die Familie und fordert. "Es ist Zeit, die Justiz besser
auszustatten, damit solche Taten zügig zur Anklage kommen."

 Tatsächlich fehlen fast 2000 Richter und Staatsanwälte. Laut BKA 
können rund 100.000 offene Haftbefehle wegen Personalmangels und 
Überlastung nicht vollstreckt werden. 40 bis 50 Beschuldigte schwerer
Straftaten werden pro Jahr vorzeitig aus der Untersuchungshaft 
entlassen, weil nicht rechtzeitig Anklage erhoben werden kann.

 Doch es geht nicht nur um Überlastung. Gerade bei jüngeren Tätern 
wird oft auf Freiheitsentzug verzichtet. Strafe soll nicht Unrecht 
vergelten, sondern künftige Taten durch Erziehung und 
Resozialisierung verhindern. Aber funktioniert das Konzept der 
Resozialisierung? 48 Prozent aller verurteilten Straftäter 
hierzulande werden nach neun Jahren rückfällig.

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